Blüten zu Ostern

Ostergruss

Frohe Ostern!

Ostereier und Frühlingsblüten im Glas

 

Alles Liebe und

„FRÖHLICHE OSTERFEIERTAGE“

bis bald
Andres
Schneelandschaft in Oberduernten

Bilder sind die Fetische der Angst vor dem Leben

Mit diesem Text beziehe ich mich auf die Kurzgeschichte „Verrat“ von Josephine Sonnenschein. Einer Liebesgeschichte – Sehr schön geschrieben.

Wie in dieser Geschichte erzählt, macht jeder Mensch in seinem Leben diese Erfahrung. Wie Josephine das grosse Gefühl der ersten Liebe beschreibt, geschieht es bei vielen Erlebnissen immer wieder. Wir hören, wir sehen etwas Schönes, wir erleben einen Augenblick der wahrhaftigen Liebe. Es ist einer der wenigen aufblitzenden Momente von der Schönheit der Liebe im sonst so traurigen Desaster des Lebens voller Depressionen, Einsamkeit, Elend und Gewalt.

Waldlichtung am Morgen

2003, Blaue Stunde

 

Zum Beispiel: Ein wunderschöner Sonnenaufgang im Mai über einer Berglandschaft, der wolkenlose blauviolette Nachthimmel wird langsam durch ein helles gelbliches Licht ersetzt, die ersten aufblitzenden Sonnenstrahlen, die Sonne geht auf, ein wunderbares Gefühl, ein berührender Moment der alles andere klein und bedeutungslos macht.

Bis jetzt ist alles noch gut. Das Sehen hat noch kein Motiv.

Aber jetzt beginnt das Gehirn zu denken. Dabei entsteht das Bild im Kopf, das Denken macht schnell ein Erinnerungsfoto und mit dem Handy ist die Sache sofort in der Realität umgesetzt. Denn ein Bild soll mir diesen glücklichen erhabenen Moment im Leben festhalten.

Doch dann die Erinnerung, sie ist keine Schönheit mehr, nichts Lebendiges. Man betrügt sich selbst. Die Erinnerung wird zum Fetisch, einem Ersatzvergnügen. Und dann kommt das Verlangen und dieses will nun erfüllt sein.

Man will mehr, man will es wieder und wieder haben. Die Erinnerung, der Wunsch, die Fiktion, die Aggression und die Eifersucht entsteht.

Mann in Schneelandschaft

2016, Einsamkeit

 

Die Angst diesen schönen Moment zu verlieren, macht das Denken. Das Denken will den Augenblick im Leben für immer festhalten um das Bild vom vergangenen Glück jederzeit wieder geniessen zu können. Denken ist Angst oder die Angst ist das Denken. Das Gefühl beim Betrachten des Bildes, das Vergnügen, die Berührung, die Liebe ist nicht mehr echt, sondern zum angst machenden Ersatz geworden. In das Bild einer vergangenen Zeit projiziert man immer mehr Sinn hinein. Man entwickelt daraus ein gefühlloses, gottlose Bild. Das Bild wird zur Fälschung. Darum sind Bilder eine Sünde.

Aber warum machen die Menschen immer wieder diese unbefriedigenden Bilder, Bilder von sich, von den Freunden, von den Lieben, beim Ausflug und in den Ferien? Immerzu geht der Mensch in die Falle und schafft sich seine Beweise des Lebens in der Form von Abbildern. Mit diesen Wunschbildern, Symbolen, Ideen und Konzepten glaubt man sich zweifelsfrei sicher.

Statt zu leben, macht der Mensch die Bilder und Symbole und bleibt so in seiner emotionalen Angst süchtig und passiv gefangen, träge und leblos. Die vielen, vielen Bilder und selbstsüchtigen Wünsche sind nur traurige Banalitäten, gottlose Fetische der eigenen Psyche.

Allzu oft ist der Mensch festgezurrt an den Weltbildern und unfähig ohne ein Motiv zu leben und somit ist er im Leben schon tot. Vom Erblühen der heiligen Liebe, dem freien und wahren Leben ist dieser ausgeschlossen, denn das wirkliche Leben ist ausserhalb von Bildern.

Das Leben ist, was uns im Jetzt zustösst. Denn sein Leben zu leben, ohne dabei ein Motiv zu haben, ist etwas ganz anderes. – Verstehst Du?

Waldlichtung im Mondlicht

Hallo! Ich bin wieder da …

Herbst im Wald

2016, Aufsteigender Nebel im Oktoberwald (verwunschen, mystisch, elegisch)

 

… aufgetaucht aus meinem „Time out“, meinem selbst verordneten digitalen Offline. Es hat mir nicht geschadet. Ich nimm’s gemütlich und lass mich wie immer nicht stressen. Für was soll ich mich abstrampeln, es bringt mir nichts, denn die fleissigen Macher sind heute die von Staat und Wirtschaft verordneten Dummen und werden dauernd bestohlen.

 

Bunte Oktoberlandschaft

2016, Landschaft im Oktober

 

Angeblich ist es ja wichtig möglichst viel Ausstoss zu haben!? Nein, nicht die Menge ist wichtig – nur die Qualität bringt uns selber im Leben einen Nutzen.

 

2016_1_740

2016, Nebelschwaden im November (bedrohlich morbid, hypnotisierend umgarnend)

 

Die schnelle Verwendbarkeit einer Problem-Lösung bringt uns nicht weiter. Wir drehen uns so im Kreise bis zum „Burnout“, denn das Problem ist bereits die Lösung. Im Leben zählt als die einzige wahre Grösse, die Wahrnehmung der Qualität und vor allem die intuitive Kreativität.

 

Morgenfrost

2016, Frostiger Novembermorgen

 

Ich bin trotz der eisigen Kälte, also gegen jede Logik und Vernunft raus aus dem warmen Atelier, im frischen Schnee spazieren gegangen und habe mich in den Wirtshäusern der Dorfumgebung aufgewärmt.

 

Rastplatz im Schnee

2016, Rastplatz im Winterwald (totenstille, endzeitlich kalt, dunkel, leer)

 

Mit diesem Blog habe ich die Resultate der „Emotionen werden zu Erlebniswelten“ in den Monaten Oktober, November und Dezember eingefügt.

 

Waldlichtung im Mondlicht

2016, Verschneite Feuerstelle im Mondlicht (Dezember)

 

Ich hoffe, dass Euch das eine oder andere Bild gefällt und durch meine Überlegungen Eure eigenen Gefühle verstehen könnt und vielleicht besser interpretiert und zuordnet.

Viel vergnügen beim Betrachten!

Frühsommer im Wald

Emotionen werden zu Erlebniswelten

April (Frühling)

Konzentrisch, fliessend zart (April)

 

Als ich dieses Jahr mit den „Neuen Bildern“ (siehe Blog „Neue Bilder“) begonnen habe, hatte ich noch keine Vorstellung von der Komplexität der monatlichen Emotionen eines Jahres.

Die ersten Monate, der kindliche Teil des Jahres ging mir noch relativ leicht von der Hand. Aber mit zunehmender Reife des Jahres werden nun die Gefühlserlebnisse vielschichtiger, umfassenderer und schwieriger zu dokumentieren. Das Umsetzen in eine Bildsprache oder den spezifischen, typischen Ausdruck des betreffenden Monats zu finden, wird zunehmend anspruchsvoller.

 

Maitor im Garten

Bewegt, dezentrisch, impulsiv (Mai)

 

Durch meine Gedanken über die emotionalen Inhalte der Monate verstehe ich gleichzeitig Europa besser. Die Vielschichtigkeit der Jahreszeiten in Europa spiegelt sich auch in den Völkern Europas.

Das Europa, von Lissabon bis Moskau, von London bis Ankara kann keine Einheit sein. Europa ist wie seine Jahreszeiten multidimensional, ja mannigfaltig verflochten und die einzelnen Teile, die Länder sind so jeweils komplet verschieden. Nur der Respekt vor der anderen Erlebniswelt kann die Beziehung unter den Europäern erhalten, andernfalls kippt das Gleichgewicht der Temperamente schnell und der Krieg ist da.

In einer Welt der Gefühle ist es sehr wichtig das Andere zu zulassen. Wie das Jahr alle seine zwölf Monate zulässt, muss auch Europa, um seinen Beziehungsreichtum zu erhalten, alle seine verschiedenen Völker und deren Menschen respektieren.

 

Frühsommer in einer Gartenlandschaft

Spontan lustig, quicklebendig (Juni)

Kein Monat ist gleich wie der andere!

Dies wird von niemandem in Frage gestellt, also akzeptieren und respektieren wir doch die Verschiedenheit der Völker, denn nur das Vielfältige ist ein bleibender Wert, der wirkliche Reichtum dieser Erde.

Neue Bilder

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April am Waldrand

 

Die „neuen Bilder“ sind eine Mischung aus Realismus und meiner Intuition.

Während meiner Ausbildung habe ich ja das realistische Malen gelernt. Hyperrealismus oder Fotorealismus nannte man diesen Stil des Ausdrucks. Ich fand diese Art der Malerei immer zu dekorativ und etwas dümmlich. Aber in Anlehnung an eine Realität der Jahreszeiten und zusammen mit meiner Intuition kann ich diese neuen Arbeiten akzeptieren. Dieses Jahr versuche ich so, die Einflüsse der zwölf Monate in der Landschaft um mich und deren Emotionen zu dokumentieren.

Dabei entstehen viele verschiedene Ausdrucksformen und Erinnerungen und es erscheint kunstgeschichtlich Ähnliches, aber auch neue Aussagen entwickeln sich. Jeder Monat fordert mich so zum Dialog und zur Auseinandersetzung mit den spezifischen Gefühlen des jeweiligen Monats heraus. Die Jahreszeiten und deren Monate sind sehr vielschichtig und so grundsätzlich verschieden in der Realität wie das Leben. Es ist wie auf einem Karussell der Emotionen.

Schauen wir mal, was da noch kommt.

 

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Waldweg im Mai

 

Ich habe einige der „neuen Bilder“ in sehr gross gemalt, die Bäume und Zäune in Realgrösse, so dass man beinahe in das Bild „einsteigen“ kann. Aber in gross wirken die Bilder schrecklich dekorativ und schon fast manieriert. Und wenn ich etwas nie will, so ist es das sogenannte „Schöne“ und „Dekorative“.

Wenn jemand schreit um aufzufallen oder gesehen werden will, geht er mir auf die Nerven. Er zwingt mich zum Voyeur oder erniedrigt mich zum passiven Eckensteher. Diese Selfie-Mentalität ist doch fürchterlich. – Schaut mich an wie schön ich bin! Seht her, dass bin ich – ich bin beliebt! Diese Selbstverliebtheit und der Gedanke, ich bin auch jemand und gehöre dazu, ist widerlich.

Ich lass deswegen die grosse Version bleiben. Ich male nur die Werke in grossen Formaten, die keinesfalls schreien oder die nicht etwas Besonderes darstellen sollen. Dieses, etwas grosses Sein wollen, ist mir tiefst zuwider.

Die „neuen Landschaftsbilder“ oder die Realität der Veränderung

Die Inhalte der „neuen Bilder“ sind ja eher bescheiden. Gefällte Bäume, kleine Vögel, stille Wasserpfützen, Wiesen und Wege in der Landschaft, also alles belangloses Zeug. Dieser Inhalt ist eher für bescheidene Geister, aber doch noble Wesen interessant.

 

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Aprilwetter

 

Diese „neuen Bilder“, diese Landschaftsbilder vom Oberland sind nicht typisch schweizerisch. Was ist den eigentlich schweizerisch, deutsch, französisch, österreichisch oder amerikanisch etc.? Das ideale nationale Gut, man muss sich ja schämen mit solchen Inhalten. Ihr Heil der Welt ist nur Einbildung, Lügen und kranke Politik, eine feige Welt mit plattgedrückten Ideen, Hektik, Selbstsucht und Laster an allen Ecken und diese geistig trägen Idealisten halten sich noch beim Stehlen für die im Recht schaffenden. Ihre Massnahmen zur Machterhaltung sind die Parteien, die Religionen der Theologen, das ewige Leben, Gott, Sünde und die Jenseits-Fantasien.

 

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Blühender Birnbaum

 

Die Botschaft des Sensenmanns

Aber, dauernde Erholung, Nichtstun oder Müssiggang, ein schöner Ort, gesundes Essen und so selten wie möglich gesellschaftlich funktionieren, dass sind die wichtigsten Handlungen für ein persönliches und erfülltes Dasein. Der nationale, europäische, afrikanische, amerikanische oder asiatische Geist ist immer Feigheit vor der Wahrheit und unsauber im Recht, ja er nimmt sich sein Recht heraus und hält sich für Entscheidend. Die Gemeinheit gegenüber dem andern ist so seine Selbsterniedrigung. Er lebt auf Kosten des Andern und der Mitläufer oder Mittäter erniedrigt sich in dieser schlechten Gesellschaft selbst.

Ihr kranker arroganter Charakter bringt nicht das Heil der Welt. Ohne Gewalt geht es nicht. Nicht einer von ihnen wird sich davon schleichen können, sie alle, jeder einzelne wird bezahlen mit dem Leben. Nichts bleibt für die Ewigkeit. Der Tod – die Selbstprüfung in Rechtschaffenheit wartet auf jeden.

Die Natur des Windes

Der Geist, der Geist – das himmlische Kind

 

Die Natur des Windes  

Der Geist bewegt das Leben wie der Wind die Stille.

Die Tage der Vorbereitung sind vorbei.
Nichts bleibt wie es war oder wird wieder so werden.
Die Stille hat uns verlassen.

Davon wissen nur die Ahnen und die vom Geist erleuchteten.
Immer leugnet der Ignorant und Heuchler seine Schuld.

Der Geist bewegt das Leben wie die Flamme das Feuer.

Alle Klagen und Schreie werden durch den Tod beendet.
Den Weinenden bleibt die Hoffnung auf Vergebung.
Die schmerzhafte Wahrheit bleibt.

Nur die geistig Erleuchteten leben in Frieden und Freiheit.
Niemals finden die Sklaven der Gier Ruhe.

Der Geist bewegt das Leben wie der Weg das Ziel.
Alles verändert sich durch den Geist Gottes in Ewigkeit.

Ich wünsche Euch allen ein schönes Pfingstfest!

Inhalt und Form

Braucht es einen Inhalt oder reicht nur die Form?

Ist es die Aufgabe eines Bildes für den Inhalt eine Form zu finden? Oder reicht nur die Form oder nur der Inhalt?

Form ohne Inhalt ist eine leere Form. – Beziehungsweise ist es eine Form mit einer Lücke? – Will ein leerer Raum zwingend einen Inhalt oder ist er als solcher schon Inhalt (inhaltliche Leere), eben Inhaltslosigkeit? – Also Inhaltslosigkeit ist noch nicht das absolute Nichts oder die „Leere“, die Ruhe kann auch Inhalt sein. Ja, wir reden hier über den Ort, wo scheinbar nichts ist, über einen Zwischenraum, einen freien Raum zwischen den Dingen, eine Lücke in einem eigentlichen zusammenhängenden Ganzen. Wie das „Hier und Jetzt“ die Vergangenheit und die Zukunft verbindet, so gehört auch der Inhalt untrennbar zur Form. Der Inhalt füllt einen Abstand, der zwischen A und B liegt, er ist eine Art Bewegung, Melodik oder Ruhe in der Form.

Wir sehen Inhalt und Form kann man nicht trennen. Inhalt ist das formgebende Prinzip. Sie geben nur zusammen einen mehr oder weniger prägnanten Sinn. Die Form hat immer Inhalt.

Die sechs Teilaspekte eines Bildes.

Jedes Bild (Werk) besteht aus sechs Teilen und ein Bild kommuniziert nie, es sendet nur und der Betrachter (Zuschauer) ist der Empfänger.

  1. Der INHALT (Handlung) ist das WAS jemand über Dinge, Objekte, Personen, Gefühle, Orte, Tätigkeiten, Intuitionen oder Zeiten zu sagen hat.
  1. Die FORM ist die Art WIE sich jemand äussert oder mitteilt. Der damit verbundene STIL ist der Zusammenhang, die Art und Weise der Ausführung oder die Ausdrucksform des Bildes. Das kann Objekt bezogen, Narrativ (mit Wahrheitsanspruch) sein. Das kann die poetische Sichtweise des Künstlers, die polyvalent der Welt mitgeteilt wird, sein. Das kann argumentativ mit Hilfe von Beweismitteln oder Scheinargumenten den Inhalt veranschaulichen. Das kann aber auch systematisch Zusammenhänge oder Tatsachen beschreiben und vom Allgemeinen zum Besonderen Erscheinungsbild aufgebaut sein. Oder das kann erklärend etwas aufdecken, ein Geheimnis begründen und deren Grund oder Zweck erklären.
  1. Die FUNKTION ist das WOZU oder WARUM äussert sich jemand. Was ist das Ziel? Ist das Bild ein Protest, eine Aufforderung, eine Vergangenheitsbewältigung, eine Meinungsäusserung oder will jemand einfach nur Aufmerksamkeit, soll das Bild Fragen beantworten und Fortschritt bringen? Eine Funktion oder Bedeutung muss aber nicht zwingend sein.
  1. Das KONZEPT ist ein grober Plan, der die Massnahmen, Ideen und Gedanken zur Erreichung des Werkes auflistet oder beschreibt. Dies kann sowohl als Entwurf wie auch verbindlich in der Auswahl der Mittel geschehen.
  1. Die STRATEGIE ist meist ein langfristige Plan der Ausführung des Bildes (Zielerreichung, Kriegslist) oder die Fortbildung des ursprünglich leitenden Bildgedankens (Vision) entsprechend den stets sich ändernden Verhältnissen. Durch die bewusst eingerichtete Gestaltung und öffentliche Zurschaustellung eines Werkes kann der Inhalt in einem definierten Zusammenhang darstellt werden und so bestimmte Reaktionen beim Betrachter auslösen. Die neuen Medien fördern zum Beispiel die narzisstischen „Selfie“ eine heute weitverbreitete Selbst-Inszenierung und ein Art Exhibitionismus der jedem erlaubt sein persönliches, idealisiertes Selbstbild als erhabene Mission auszustellen.
  1. Der ZUSCHAUER, der Betrachter ist mehr oder weniger wichtig, aber er kann auch nebensächlich sein. Je nach dem was der Bildhersteller mit dem Bild erreichen will, kann sein Bild beim Betrachter ein Bedürfnis befriedigen. Inhalt, Form und Funktion sind so die Mittel der Anbiederung oder eben genau das Gegenteil und führen zu Aufruhr und Ablehnung beim Zuschauer.

 

Beispiel von drei Bildinhalten zum Thema „Clown-Nummer im Zirkus“:

Dummer August

Clown August

 

 

Der August; bewegt, kindlich bunt, lustig, laut. Er will nur spielen, erkunden und ausprobieren ohne die ernsthafte Absicht einer Handlung. Er braucht einen Spielplatz, einen Rahmen.

 

Weisser Clown mit Trumpete

Weisser Clown

 

 

 

Der weisse Clown; emotional, weiblich anmutig, schöngeistig und gesittet. Er will etwas lernen, künstlerisch tätig sein, die Welt verschönern. Er sucht eine kultivierte Umgebung.

 

Direktor

Zirkusdirektor

 

 

 

 

Der Zirkusdirektor; streng, ordnend, unnahbar. Er will die Ordnung erhalten in Ermahnung des Ernst des Lebens. Um sich zu entwickeln braucht er andere Wesen, Tiere oder Menschen.

 

 

Bei der klassischen Clown-Nummer treten meist drei Akteure (Charakter-Bilder) auf. Erstens, der August ein kindlich, lauter Kerl, der das grosse Kind symbolisiert. Zweitens der weisse Clown mit einer weiblich anmutigen Erscheinungsform und drittens der Zirkusdirektor, ein streng ordnender Cheftyp spielen zusammen eine Farce in der Zirkusarena. Die drei Rollen sind die Sinnbilder der drei grundlegenden Erscheinungsformen oder Charakteren einer Familie, wie das Kind, die Mutter und der Vater. Nun sieht der Betrachter die Clown-Nummer und erlebt dabei mehr oder weniger seine eigenen Kindheitserlebnisse und lacht so über die überzeichneten Bilder in der Arena.

 

Noch etwas mehr über das, was der Inhalt ist.

Jede Zeit hat dem jeweiligen Geist entsprechend seinen eigenen Inhalt aufgezwungen. Der Betrachter, der Auftraggeber oder Käufer will seine Erlebniswelt, seinen Inhalt in seiner Form und seiner Funktion wiedererkennen. Bis Heute will der Bildbetrachter (Käufer) im Bild sein Weltbild erkennen oder den Bild-Hersteller zu diesem Weltbild zwingen.

So waren die typischen Inhalte im 12. bis zum 16. Jahrhundert meist Auftragsbilder der Kirche oder dem Adel und so diesen entsprechend mit religiösem oder aristokratischem Inhalt in einer realistischen Darstellungsform.

Die typischen Inhalte im 17. und 18. Jahrhundert waren meist Auftragsbilder von Patriziern, Regenten, Städten oder Gemeinden mit Szenen aus dem alten Testaments, den griechischen oder alemannischen Sagen und der Märchenwelt.

Dann im 19. Jahrhundert wurden die profanen einfachen Dinge des Bürgertums wie ein Baum, ein Akt, ein Weg, ein Fluss, ein Haus, ein Fels, ein Blumenstrauss oder einfach ein Portrait zum Inhalt der Bildwerke und dies möglichst realistisch, so wie das auch die besseren Leute (Adligen) hatten.

Parallel mit der Erfindung der Fotografie 1826 wurde die Form immer wichtiger und der Inhalt musste zurückstehen. In einer hierarchischen Spirale ging der Bildinhalt nach unten bis zu Bildern von Fabrikarbeitern, armen Bauern und sogar der Abfall wurde salonfähig. Gleichzeitig trennten sich hier die Wege der Bildherstellung in eine klassische, malerische Herstellung von Bildern und in die neue fotografische Manier. In der weiteren Entwicklung der Malerei des 20. Jahrhunderts wurde der Inhalt, in immer wieder neuer Form (Stil) dargestellt und schlussendlich sogar aufgelöst, abstrahiert und bis zur nur noch Formstruktur reduziert. Die Form war die Subversion, die Revolution. Der Inhalt war da nur noch Beilage. Der Inhalt wurde in die Nachrichten im Fernsehen oder ins Web ausgelagert und dort trivialisiert.

Jetzt, im 21. Jahrhundert hat sich alles geändert. Jeder kann im Prinzip seine Bildwerke selber herstellen. Jeder ist sein eigener Herr und so sind wir heute alle Künstler oder alles kann Kunst oder Künstler sein. Jeder macht sich sein Bild selber oder kauft sich sein Wunschbild im Warenhaus ein.

Joseph Beuys meinte:

„Jeder Mensch ist ein Künstler. – Damit sage ich nichts über die Qualität. Ich sage nur etwas über die prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt…Das Schöpferische erkläre ich als das Künstlerische, und das ist mein Kunstbegriff.”

Und er sagte auch:

Lass Dich fallen. Lerne Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen
und verteile sie überall in Deinem Haus.

Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.

Pflege verschiedene Stimmungen,
verweigere Dich, „verantwortlich zu sein“ – tu es aus Liebe!
Mache eine Menge Nickerchen.
Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge.
Bade im Mondschein.

Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell Dir vor, Du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern. Höre alten Leuten zu.
Öffne Dich. Tauche ein. Sei frei. Preise Dich selbst.

Lass die Angst fallen, spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in Dir. Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.

 

Heute ist das Bild (Werk) dabei alle Grenzen zu überschreiten. Die Bildhersteller oder eben die Künstler bedienen sich jetzt aller möglichen Mittel, die geeignet sind Bilder herzustellen. Die schöpferische Vielgestaltigkeit von Form und Inhalt ist der Leitgedanke zeitgenössischer Bilder. In den Bildwerken wird das theatrale vermischt mit Sprache, Musik oder umgekehrt.

Der Inhalt ist wieder zentraler Teil eines Bildes geworden. Zu den traditionellen Bilddisziplinen werden eine Vielzahl neuer Möglichkeiten eingesetzt wie Video, Computer, Laser, Architektur, Musik, Sprache, Gesang usw. So werden in den Werken alte und neue Inhalte, Form- oder Stilarten und Funktionen nebeneinander genutzt und schöpferisch vermischt.

Denn, Inhalt und Form kann man nicht trennen!